Prozessionsspinner – Oder wie man zur Helikopter-Mama wird

Nach unserer Abreise aus der Sierra Nevada sind wir am frühen Abend in der Provinz Jaén in Andalusien gelandet und auf den Campingplatz Despeñaperros gerollt. Vor uns gab es erstmalig auf unserem Trip eine Schlange von vier französischen Campern und so mussten wir fast 20min vor der Schranke warten, um einzuchecken und taten dies, auch erstmalig, in bar und ausschließlich auf Spanisch. Ich glaube ja an „Zeichen“, „das Bauchgefühl“ oder wie man so den 6.Sinn sonst noch beschreiben könnte und irgendwas war komisch. Wir fahren also auf unseren Stellplatz und ich befreie Max aus seinem Sitz damit wir das Gelände erkunden können. Inmitten eines Pinienwaldes gelegen und von Olivenhainen umsäumt, war es wirklich hübsch dort. Wir sind gerade dabei auf dem Boden eine Straße von Riesenameisen zu beobachten, als ein Mann von seinem Campingstuhl aus rief:“Passen sie aber auf. Hier gibt’s viele Prozessionsspinner.“ Ich habe erstmal keine Ahnung wovon er spricht und denke an Männer in Prozessionsoutfits…weiß der Geier warum… La Semana Santa – die heilige Woche vor Ostern stand ins Haus, vielleicht lag es daran. Meine nichtssagende Reaktion führte zu einer kurzen Begriffserklärung, auf die hin ich nun ein wenig panisch zurück zu Domi lief und Google befragte. 

20170331_090632„Der Pinien-Prozessionsspinner ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Zahnspinner. […] Die Raupen sind nachtaktiv und fressen verteilt in kleinen Gruppen auf den Zweigen. In der Morgendämmerung kehren sie in das Gespinst zurück. Die Überwinterung findet in den Gespinsten statt, die Entwicklung wird erst im darauf folgenden Frühjahr beendet. Zur Verpuppung wandern die Raupen in für die Unterfamilie typischen Prozessionen hintereinander gekettet. […] Die Verpuppung findet schließlich im Erdboden in einem braun gefärbten Kokon statt.“ (www.wikipedia.org/wiki/Pinien-Prozessionsspinner, 27.April 2017). „Der Körper aller Prozessionsspinner ist […] mit Brennhaaren übersät, die ein sehr wirksames Nesselgift namens „Thaumetopoein“ enthalten, […] vor allem der Pinien-Prozessionsspinner […] hat kleine Widerhaken, die sich sofort in der Haut festsetzen. Wer damit in Kontakt gerät, der weiß, was „brennen“ heißt. IMG-20170402-WA0011Nicht nur durch direkte Berührung, sondern auch über den Wind können sich die Haare verbreiten. […] Bei Gefahr [ist er] sogar in der Lage, seine Haare zur Verteidigung vom Körper abzuschießen. […] Bereits eine kurze Berührung [kann] stärksten Juckreiz verursachen und um die Kontaktststelle entstehen häufig rote Quaddeln. […] Diese Raupendermatitis macht eventuell einen Arztbesuch erforderlich. Falls die Brennhaare in Augen oder Atemwege gelangen, können sie noch weitere allergische Reaktionen  […] über Fieber und Asthmaanfälle bis hin zum anaphylaktischen Schock hervorrufen.“ (www.castel-franc.com/blog/prozessionsraupen-possierlich-und-gefährlich 27.April 2017). Auch für Hunde und Katzen sind die Tierchen gefährlich, da sie schon beim Beschnuppern eine Art Verätzung verursachen können.

So und nun erklären sie mal einem 2-Jährigen, dass er auf diesem Campingplatz nichts anfassen darf. Wir sind wirklich ein wenig paranoid geworden. Die Dinger waren plötzlich überall. Lucy wurde unter den Bäumen weggefahren und wir saßen für eine kurze Lagebesprechung vor dem Campingplatz mit einem Eis auf der Bordsteinkante (und selbst dort kamen sie aus den Löchern rausgekrabbelt) und haben uns für ein Abendessen auswärts und eine frühe Abfahrt am nächsten Morgen entschieden. 

Was wir gelernt haben?! 

Das Bauchgefühl hat immer recht und Outdoor mit Kind ist super, aber ein gewisses Maß an Zivilisation und Sicherheit brauchen wir einfach. Es macht keinen Spaß sich ständig Sorgen zu machen und „Nein“ zum Wort des Tages IMG_20170427_135015küren zu müssen. Ich bin zu einer voll ausgeprägten Helikopter-Mama mutiert, die ihren Sohn wirklich keinen Schritt aus den Augen gelassen hat, damit er ja nicht seiner kindlichen Neugier erliegt. Aber aus allem Übel erwächst doch oft was Gutes. Wir waren an dem Abend, auf unser Flucht vor den Raupen, die besten Tapas unseres Urlaubs essen. Im „El Fogón Andaluz“ in La Carolina, gab es großartiges, unaufgeregtes Essen. Wir standen um 19.30Uhr zwar vor verschlossener Tür, denn natürlich gab es trotz TRIPADVISOR-Aussage eine Siesta-Schließung, aber die 30min warten auf dem sonnigen Plaza Ajuntamiento haben sich gelohnt. Wir trafen dann zur Öffnungszeit mit einer alten Dame ein, die kurz darauf in der Küche ihre Wunder vollbrachte.

 

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